Sparringspartner für die "Klatsch-Bumm-Technik"

Gute, und vor allem scharfe Flugaufnahmen zu machen ist mit der Einführung des Autofocus immer einfacher geworden. Kameras und Objektive werden immer schneller und erhöhen die Trefferquote um ein Vielfaches gegenüber manuellen Systemen. Wer aber glaubt, dass gut Flugaufnahmen jetzt einfach und ohne Probleme zu machen sind, ist auf dem Holzweg.

Höckerschwan
Seit einigen Jahren befasse ich mich nun schon mit der sogenannten „Aktionfotografie“ und es sind mittlerweile zahlreiche Bilder entstanden. Wie viele Filme ich dabei belichtet habe weiß ich nicht genau, aber es sind bestimmt einige Tausend. Foto-Kollegen, die mich bei meiner filmfressenden Tätigkeit beobachtet haben, fragen schon mal nach, ob ich eine eigene Filmfabrik besitze. Tatsächlich ist der Filmverbrauch bei dieser Art der Fotografie trotz Autofocus enorm. Zeigt man dann voller Stolz seine Ergebnisse, bekommt man unter Umständen folgenden Kommentar zu hören: „Mit Autofocus braucht man doch nur drauf halten und , Klatsch-Bumm, ist das Bild fertig.“ Die solche oder ähnliche Kommentare abgeben, haben wohl kaum selbst je eine Flugaufnahme versucht. Mich haben meine zahlreichen Versuch und Misserfolge in der Anfangszeit fast zur Verzweiflung gebracht.

Das größte Problem ist auch heute noch der Autofocus. Noch immer stellt er lieber auf einen stark strukturierten Hintergrund scharf als auf das eigentliche Motiv, z.B. eine kontrastarme, weiße Möwe. Das zweite Problem ist die Geschwindigkeit des Nachführ-Autofocus. Kleine, schnelle Tiere bis zur Größe von Enten, die direkt auf die Kamera zu fliegen, werden nur selten scharf gestellt. Das sind nur die wichtigsten technische Probleme. Diese kann man als Fotograf nur zur Kenntnis nehmen, aber nicht beeinflussen. Alle modernen Kamerasysteme haben diese Probleme in irgend einer Form. Welches System das beste ist, sollte jeder Fotograf für sich entscheiden. Ich benutze das Canon-System und ein Stativ mit Sachtler Hydroneiger. Lässt sich kein Stativ aufbauen, lege ich das Objektiv auf einen grossen Bohnensack auf. Das hat bis jetzt immer gut funktioniert. Bei Brennweiten unter 300 mm, das kommt jedoch seltener vor, fotografiere ich auch aus der Hand.

Flußseeschwalben

Neben den technischen Unzulänglichkeiten gibt es jedoch weitaus unangenehmere Schwierigkeiten, nämlich die, die man selber beein-flussen kann. Zuerst einmal muss man seine Kamera im Schlaf beherr-schen. Alle erforderlichen Einstellungen muss man blind vornehmen können, ohne lange nach Knöpfen und Rädchen suchen zu müssen. Daneben ist Geschicklichkeit und schnelles Reaktions- vermögen erforderlich. Wie z.B. bekomme ich das Motiv schnell genug in den Sucher, und wie halte ich es dann richtig im Bild, ohne Flügel, Schnabel oder sonstige Teile ab zu schneiden? Das ist eine reine Sache der Übung. Für diesen Zweck habe ich mir als Sparringspartner die Höckerschwäne ausgesucht. Sie sind bei uns zahlreich vertreten und an einigen Stellen werden sie regelmäßig gefüttert. An solchen Plätzen erscheinen sie oft in großer Zahl und es herrscht nicht selten reger Flugbetrieb. Wegen ihrer Größe sind sie recht langsame Flieger und deshalb als Übungsobjekte besonders gut geeignet. Man kann Starts, Landungen und Formationsflüge, manchmal sogar Portraits im Flug fotografieren. Nach und nach bekommt man ein Gefühl für die Situation und lernt rechtzeitig zu reagieren. Das Mitziehen mit der Kamera fällt immer leichter und die alles vernichtende Hektik baut sich immer mehr ab. Besonders bei der Aktionfotografie gilt der Spruch: „In der Ruhe liegt die Kraft“. Mit der Zeit bekommt man eine gewisse Routine und manchmal glaubt man dann, dass es tatsächlich diese „Klatsch-Bumm-Technik“ gibt.

Spießsente
Geht man mit der gleichen Arbeits-weise jedoch an kleinere Vögel heran stellt man sofort fest, dass jetzt alles etwas schneller gehen muss. Das Reaktionsvermögen, das man sich bei den Schwänen antrainiert hat, ist zwar hilfreich, reicht aber bei weitem nicht aus. Jetzt ist es wichtig, das Motiv so schnell wie möglich im Sucher zu haben, noch lange bevor es auf Fotoentfernung herangekommen ist. So gewinnt man etwas mehr Zeit für den Bildaufbau. Wenn nun der Autofocus seinen Dienst nicht versagt hat man schon fast gewonnen, vorausgesetzt man ist in der Lage, den oft blitzartigen Richtungsänderungen mit der Kamera zu folgen. Aber das hat man ja lange geübt. Auf jeden Fall sollte man sich beim späteren Betrachten der Ergebnisse nicht über die misslungenen Bilder ärgern sondern sich freuen über jedes geglückte Foto. Glück ist nämlich auch ein ganz wichtiger Punkt in der Aktionfotografie, denn eines ist ganz sicher - die „Klatsch-Bumm-Technik“ gibt es (noch) nicht.

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